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| «Aggressive Games können Lernen fördern» sagt der St. Galler Rechtsprofessor Urs Gasser und warnt in seinem neuen Buch "Generation Internet" vor Verboten. Seine Meinung steht im Gegensatz zu zahlreichen Medienartikeln, die Gewalt-Games verbieten wollen. Ein Auszug aus einem Interview mit Urs Gasser: |
Für die Buchrecherche sind Sie um die halbe Welt gejettet. Was hat Sie bei Ihren Nachforschungen am meisten überrascht? Wenn Digital Natives etwas wissen wollen, geben sie ein Stichwort ein auf Google und werfen dann allenfalls noch einen Blick auf Wikipedia - ohne sich bewusst zu sein, dass Wikipedia von jedermann bearbeitet werden kann. Überraschend war auch, dass relativ wenige Jugendliche die vorhandene Technologie dazu nutzen, kreativ tätig zu werden (z.B. ein Mash-up zu machen und auf YouTube zu stellen). Hier besteht ein grosses Potential für die Zukunft.
Sie haben sich umfassend mit der Wirkung von Gewaltdarstellungen in den Neuen Medien befasst. Ihr Fazit? Heute kann ein Zusammenhang zwischen Gewalt auf Bildschirmen und aggressiven Gedanken und Gefühlen bei Kindern nicht mehr ernsthaft bestritten werden. Klar ist aber auch, dass dieser Zusammenhang im Detail sehr kompliziert und umstritten ist.
Inwiefern umstritten? Nicht jedes Kind, das Killerspiele spielt, wird zum Schläger in der Schule. Die Forschung ist daran, die vielen Einflussfaktoren wie Erziehung, soziales Umfeld etc. genauer zu studieren, wobei das Internet hier wegen seiner Interaktivität (die Nutzer haben eine viel aktivere Rolle als noch beim Fernsehen und können online leicht in die Rolle des «Schlächters» schlüpfen) extrem viele Fragen aufwirft. Es ist auch wichtig zu sehen, dass nicht alle Videospiele Gewalt beinhalten. Sodann gibt es auch aggressive Games, die das Lernen fördern können oder guten Zwecken dienen.
Gute Zwecke? Games werden zur unterstützenden Behandlung von krebskranken Kindern eingesetzt, wobei die Kinder auf Krebszellen schiessen - die «Munition» steht stellvertretend steht für die Medikamente, die sie einnehmen müssen.
Dann ist es sogar kontraproduktiv, Killerspiele zu verbieten? Ich bin nicht prinzipiell gegen ein Verbot von Killerspielen. Ein solches Verbot kann gute Symbolwirkung haben. Ich glaube aber, dass wir unsere Aufmerksamkeit und Energie im Moment besser einsetzen können, weil sich Verbote in einem globalen Internet-Umfeld nur sehr schwer durchsetzen lassen. Ich setze hier viel mehr auf Erziehung und Bildung statt auf Verbote, die solche Spiele auch erst recht attraktiv machen können.
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