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Liebe, Sex & Co. Kapitel 1 - Liebe
Das grosse Liebesdossier


Das Liebesdossier wurde geprüft von PLANeS, der Schweizerischen Stiftung für sexuelle und reproduktive Gesundheit


Sich verlieben
Passierte es Dir schon mal, dass eine Bekanntschaft oder ein Flirt plötzlich wichtig wurde? Hattest Du schon einmal dieses aufregende Gefühl im Bauch, wenn die andere Person ins Blickfeld kam? Musstest Du dann dauernd an diesen Menschen denken?
Plötzlich ist es da dieses unverwechselbare Gefühl. Dieser Wunsch, jemandem auf eine Weise nahe sein zu wollen, wie noch nie zuvor: Liebe ist ein grosses Gefühl. Sie ist der Freundschaft in fast allem gleich, und doch ist sie ein entscheidendes Stückchen mehr. Gestern noch war man sich völlig fremd oder ist sich vielleicht
sogar aus dem Weg gegangen. Doch heute möchtest Du alles wissen vom anderen, alles sehen und nur das Eine hören: das es ihm oder ihr genau so geht. Und jetzt gleich oder vielleicht morgen möchtest Du mit diesem plötzlich liebsten Menschen verschmelzen, ihn/sie umarmen, küssen, streicheln und vielleicht auch miteinander schlafen.

Verliebt sein ist im Gegensatz zum unverbindlichen Flirt viel konkreter. Verlieben tut man sich nicht in irgendwen, einfach mal so zum Spass und um die eigene Attraktivität abzuchecken. Verliebtheit ist mehr, weil es mit der Hoffnung zu tun hat, mit der anderen Person zusammen zu sein. Was das Verliebtsein so schön macht: Alles ist offen, Du kannst träumen, alle Wünsche und Hoffnungen in die andere Person hineindenken. Du siehst vorwiegend positiv, bist fröhlich und optimistisch. Die rosa Brille, wie man so schön sagt. Ein berauschender Ausnahmezustand.


Sich finden
Doch wie findet man den Menschen, in den man sich verliebt und der für einen das Gleiche empfindet? Wie macht man sich attraktiv? Wie stelle ich mich an, um jemanden kennen zu lernen?
Leider helfen Ratschläge hier nicht viel weiter. Manchmal sind sie sogar hinderlich, weil sie selten in die Situation passen und dann ziemlich künstlich wirken. Sowieso ist es meist nicht förderlich, besonders coole Sprüche loszulassen. Am besten ist, einfach ganz natürlich zu bleiben.
Du musst ja erst einmal jemanden kennen lernen, um zu entscheiden, ob Du ihn oder sie überhaupt magst und ob Du Dich auf mehr einlassen möchtest. Dazu musst Du nicht besonders cool wirken, sondern möglichst normal. Das sagen übrigens auch die meisten Jugendlichen, dass eine natürliche Art bei Ihnen besser ankommt als ein aufgesetztes Getue.
Nur weil jemand toll aussieht, muss er oder sie noch lange nicht die Qualitäten haben, die Du vermutest. Und oft genug stellt sich heraus, dass jemand, der zunächst gar nicht so gut aussieht, total attraktiv wird, sobald man mit ihm/ihr redet.


Nützliche Tipps
1.  Versuche sie / ihn möglichst alleine anzusprechen. In einer Gruppe neigen viele dazu, vor den anderen cool wirken  zu wollen und geben sich nicht so, wie sie wirklich sind.
2.  Blöde Sprüche oder Nachpfeifen sind eher peinlich und so gut wie niemals erfolgreich – also sei möglichst natürlich. Das ist schon schwer genug, wenn Du weiche Knie bekommst, sobald Du ein hübsches Mädchen / einen attraktiven Jungen siehst. Aber da musst Du durch.
3.  Schwierig wäre es sicher, wenn Du gleich zu Beginn deine Liebe gestehen müsstest. Aber Du kannst ruhig mit einer einfachen Frage beginnen oder über etwas Allgemeines reden.
4.  Wenn Du erst mal ein Gespräch begonnen hast, findest Du leichter Anknüpfungspunkte. Dabei kann auch nicht viel schief gehen, und Du wirst bald bemerken, ob dein Gegenüber auch Interesse an Dir zeigt.
5.  Es kann immer sein, dass es nicht so klappt, wie Du dir es vorgestellt hast. Vielleicht war es doch der falsche Typ oder einfach der falsche Zeitpunkt. Und es kommt immer ein nächstes Mal.
Liebe, Sex & Co. Kapitel 1 - Liebe
Zärtlichkeit und Lust
Vielleicht hast Du schon einiges ausprobiert, hast mal jemanden geküsst, jemanden berührt und dich selbst befühlen und erregen lassen. Möglicherweise hast Du noch weniger Erfahrungen oder das Thema hat Dich bisher noch nicht gross interessiert.
Früher oder später kommt der Augenblick, da willst Du "es" und das Verlangen, den anderen zu berühren und sich selbst berühren zu lassen, durchströmt den ganzen Körper, lustvoll, zärtlich, wild.
Seltsam ist: Sich küssen, streicheln und miteinander schlafen ist etwas ganz Natürliches, und trotzdem muss man es in gewisser Weise erst "lernen". Man muss sich kennen lernen: Was findest Du selbst schön und erregend, was dein Liebster, deine Liebste? Wie fühlt sich das an, wie mache ich es gut? Es ist gar nicht leicht, über diese Fragen zu reden.
Sich küssen, streicheln oder umarmen ist etwas ganz Natürliches;
trotzdem müssen wir es in gewisser Weise erst „lernen".



Doch sei mutig und sprich über Deine Wünsche, denn Du kennst sie am besten. So manches ist einem peinlich, man will sich nicht blamieren und schämt sich. Es hilft, Erfahrungen langsam zu sammeln, sich Zeit zu lassen, den eigenen und den anderen Körper zu entdecken, neugierig zu sein und sich mit allem vertraut zu machen. Frag nach den Bedürfnissen Deiner Freundin oder Deines Freundes, dann weisst du genau was Sache ist. Irgendwann fühlt man sich sicherer, man traut sich mehr, und oft wird es noch schöner.


Vertrauen und Sicherheit
Mit der Lust ist es wie mit der Freundschaft und der Liebe: Sie lässt sich nicht erzwingen - weder bei Frauen, noch bei Männern. Lust ist in einem Moment da oder nicht. Mal entwickelt sie sich langsam oder stürmisch bis zum Orgasmus, ein anderes Mal bleibt sie gleichmässig sacht und ruhig. Das ist ganz normal. Man hat ja auch nicht jeden Tag Appetit auf sein Lieblingsessen. Beim Miteinander schlafen gibt man sich dem anderen hin, zeigt sich nackt und ist dadurch auch verletzlich. Es braucht gegenseitiges Vertrauen damit man das Liebesspiel geniessen und eine befriedigende Sexualität erleben kann.
Liebe aber ist ein langer Weg mit dem Ziel, das selbst Liebe heisst. Nicht mit jedem gelangt man dorthin. Das Ende einer Liebe ist meist sehr schmerzhaft, aber man überlebt es - auch wenn man es am Anfang kaum glauben kann.


Zusammenbleiben oder nicht
Frisch Verliebte haben oft das umwerfend schöne Gefühl, dass ihre Liebe ewig halten wird. Nichts kann ihr Glück trüben, nichts und niemand kann sie auseinander bringen. Das ist toll, selbst wenn jeder weiss, dass die Wirklichkeit oft ganz anders aussieht. Nach dem Rausch der ersten Verliebtheit ist es oft gar nicht so leicht, auch im Alltag miteinander auszukommen. Man lernt sich besser kennen und macht Bekanntschaft mit den Macken und Launen des Anderen. Jetzt muss sich zeigen, ob aus der Verliebtheit auch eine richtige Liebe mit Höhen und Tiefen entsteht. Es ist wichtig, dass Du zu Dir selbst Sorge trägst. Man muss auch akzeptieren lernen, dass der Andere anders ist – als man vielleicht möchte - und man einen Mensch nicht ändern kann. Bis man jedoch soweit ist, eines Tages vielleicht eine Familie gründen zu wollen, vergehen gewöhnlich noch viele Jahre. Deshalb ist es auch normal, bis dahin noch einige Erfahrungen mit anderen Partnern zu sammeln. Gut ist es dann, so verliebt man auch ist, die alten Freunde nicht zu vergessen. Die behält man nämlich oft viel länger.
Liebe, Sex & Co. Kapitel 1 - Liebe
Beziehung

Eine Beziehung führen
Wenn es so einfach wäre eine Beziehung zu führen, dann gäbe es wahrscheinlich nicht so viele alleinstehende und manchmal auch einsame Menschen. Mit anderen Menschen umzugehen erfordert viele Fähigkeiten. Schau Dich mal in einem Bücherladen um... ganze Regale und Abteilungen mit Beziehungsratgebern!
Schau mal in die Zeitung, ins Internet, ins Fernsehprogramm: Überall Kennenlern-Anzeigen, Kontaktsuchende und Flirtsendungen. Der Wunsch nach enger Bindung ist vermutlich tief im Menschen drin. Leider geht das nicht so einfach. Wenn es aber klappt und Du einem anderen Menschen wirklich nahe stehst, dann ist es umso wertvoller. Es gibt ein paar Dinge, die wichtig sind, damit eine Beziehung gut klappt. Eine Liste findest du hier:

Respekt
Beide Partner müssen geistig und seelisch bereit sein, eine Beziehung zu führen. Müssen auch bereit sein, Energie und Zeit zu investieren. Zu geben und zu nehmen. Festzuhalten und loslassen zu können. Respekt heisst auch, den Anderen / die Andere in seiner / ihrer Andersartigkeit zu achten und Entwicklungsspielraum zu lassen.

Vertrauen
Vertrauen heisst, ehrlich sein, sich an Abmachungen halten. Auch wenn man bei einem anderen Menschen nie ganz und gar sicher sein kann, womit man rechnen muss. Ein gutes Grundgefühl muss in einer Beziehung da sein. Du solltest für Dich das Gefühl haben, zu wissen, woran Du bist. Du solltest Deinen Partner / Deine Partnerin bis zu einem gewissen Grad einschätzen können. Je mehr ihr miteinander erlebt habt und je mehr schwierige Situationen ihr auch gemeistert habt, desto leichter wird diese Einschätzung und desto besser lernt ihr euch kennen. Und vertraut euch auch mehr.

Kommunikation
Fühlst Du dich verstanden? Könnt ihr miteinander entspannt reden über Alltagsdinge, Sorgen, Probleme, Freuden und Leiden? Auch über Eure Gefühle? Teilt ihr dieselben grundlegenden Werte?

Verständnis und Einfühlungsvermögen
Es ist sehr wichtig, Verständnis für die andere Person aufbringen zu können. Das bedingt natürlich eine Portion Einfühlungsvermögen. Haben beide zum Beispiel völlig verschiedene Interessen (was durchaus vorkommen kann..!), so sollte man doch versuchen, sich in den anderen Menschen einzufühlen. So kannst Du auch dessen/deren Interessen nachvollziehen, seine/ihre Vorlieben und Abneigungen besser verstehen und akzeptieren.

Wohlfühlen
Irgendwann ist die Zeit der überschwänglichen Gefühle vorüber. Wie fühlst Du dich jetzt? Für eine gute Beziehung ist es entscheidend, dass ihr euch zusammen wohl fühlt und dass ihr wirklich gerne zusammen Zeit verbringt. Ganz wichtig dabei: Du musst das Gefühl haben, Dich selbst sein zu können und so - genau so, wie du bist - gemocht zu werden, auch von dir selber! Könnt ihr zusammen auch mal schweigen? Zusammen lachen, weinen, schmunzeln, schmollen?

Aussehen
Huh, wie oberflächlich! Doch das Aussehen ist wichtig. Es spielt keine Rolle, ob er einen Waschbrettbauch oder ob sie schöne lange Haare hat. Alles nicht so wichtig!
Aber gerne anschauen müsst ihr euch; in die Augen schauen, eure Körper akzeptieren, kennen- und lieben lernen. Mit allen Falten, Härchen, Speckröllchen und Pigmentflecken. Wieso Bauch einziehen, sich um Penisgrösse sorgen?! Hat doch keinen Sinn, da es in einer langen Beziehung um andere Dinge geht!

Verbundenheit
Sei es durch den gleichen Humor, gemeinsam Erlebtes oder geteilte Geheimnisse: Ihr solltet euch irgendwie verbunden, zueinander gehörig fühlen. Besteht zwischen dir und ihr/ihm ein unsichtbares Band, das über Raum und Zeit hinweg verbindet?

Und schliesslich…
Das hier ist keine Checkliste! Aber eine kleine Gedankenanregung. Wenn Du dich mal unwohl fühlst in einer Beziehung, überlege Dir ganz genau, woran es liegen könnte. Mach eine Liste. Mit einer Spalte mit positiven Dingen, eine mit negativen. Nur für Dich. Das hilft Dir, deine Gedanken zu ordnen und dem Problem auf den Grund zu gehen.
 

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Die Organisation Planes, die mit uns zusammen das Dossier zu Sexualität und Liebe erstellt hat, kann Dir bei Fragen jederzeit weiterhelfen. Du findest auf der Website von isis alle Kontakte zu allen möglichen Beratungsstellen.

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